Bauchschmerzen sind das häufigste Symptom beim Kleinkind, häufig handelt es sich dabei aber auch um eine Projektion von Konflikten in den Bauch. In den meisten Fällen sind Bauchschmerzen harmlos, manchmal können sie aber auch einer sofortigen ärztlichen Behandlung bedürfen.
Dreimonatskoliken:
Dabei handelt es sich um eine Problematik, die insbesondere in den ersten 3 Lebensmonaten auftritt (aber auch durchaus darüber hinaus).
Symptome: Schreien und Anziehen der Beine zum Körper. Typisch ist eine häufig auftretende Besserung durch Tragen des Babys in bestimmten Positionen, Autofahren (so hat sich das Ganze häufig erledigt, wenn man beim Arzt oder in der Klinik ankommt, da die Fahrt schon Linderung gebracht hat), etc.
Maßnahmen: verschiedene Tragepositionen („Fliegerposition“ o.ä.), Bauchmassagen im Uhrzeigersinn (z.B. mit Kümmelöl), Verabreichen von Kümmelzäpfchen und/ oder entblähende Tropfen; langfristig auf die richtige Flaschennahrungsherstellung achten etc.
Leistenbruch:
Hervortreten von Bruchinhalt (Bauchfell, Darm) im Bereich der Leiste, dies geschieht meistens durch den Leistenkanal (der eine "Schwachstelle" darstellt).
Symptome: starke Bauchschmerzen, Anziehen der Beine, Schwellung im Bereich der Leiste (auch im Hoden oder bei Mädchen bis zu den bzw. in die Schamlippen)
Maßnahmen: schreiende Kinder immer komplett untersuchen (Hinweis auch ggf. an den untersuchenden Arzt) - auch im Windelbereich!
Evtl. vorsichtiger Versuch zurückzuschieben
Falls nicht zurückschiebbar, sofort Klinik oder Arzt aufsuchen!
Darmeinstülpung (Invagination):
Tritt gehäuft zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat auf, ggf. aber auch im späterem Alter.
Symptome: oft aus voller Gesundheit heraus schwerste, krampfartige Bauchschmerzen, welche intervallartig auftreten. Die Schmerzen sorgen für lautes Schreien des Säuglings – Anziehen der Beine oder fehlendes Strampeln. Es kann zu Erbrechen, Blässe und Apathie kommen. Oft zeigt sich auch ein ängstlicher Gesichtsausdruck. Wichtig: häufig ist das akute Ereignis von einem symptomfreien Intervall gefolgt – später kann es zu Absetzen von blutigem Schleim z.T. mit dem Stuhlgang kommen.
Sofort Klinik oder Arzt aufsuchen!
Blinddarmentzündung (Appendizitis):
Dabei handelt es sich um die Entzündung des Wurmfortsatzes. Diese kann u.U. rasch fortschreiten. Diese Indikation ist im Kindesalter der häufigste Grund für eine Bauchoperation – ein gehäuftes Auftreten findet sich zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr.
Symptome: Bauchschmerzen – initial oft diffus, später insbesondere im rechten Unterbauch. Dazu ggf. Fieber, Erbrechen, Druckschmerz und Abwehrspannung im rechten Unterbauch, aber auch andernorts. Es zeigt sich u.U. Blässe, dabei eine gekrümmte Haltung/angezogene Beine. Eine axillär-rektale Temperaturdifferenz von >1°C wird als typisch beschrieben.
Sofort Klinik oder Arzt aufsuchen!
Harnwegsinfekt:
Es handelt sich dabei um eine häufige Ursache für Bauchschmerzen. Bei Mädchen tritt diese Erkrankung aufgrund der anatomischen Verhältnisse häufiger auf als beim Jungen. Als Ursache der Infektion finden sich meist Bakterien oder Ähnliches.
Symptome: gehäuftes Wasserlassen, „Brennen“ beim Wasserlassen, Bauchschmerzen, ggf. auffälliger Uringeruch, evtl. Fieber.
Maßnahmen: Viel Trinken
Klinik oder Arzt aufsuchen! (Nach Urinbefund ggf. Antibiose)
Bei gehäuftem Auftreten weiterführende Diagnostik (es könnte eine Fehlbildung o.ä. dahinter stecken, die ggf. weitere Behandlung nach sich zieht, um künftige Ereignisse auf ein Minimum zu reduzieren)
Hodentorsion:
Die Drehung des Hodens und des Samenstranges. Das Auftreten ist gehäuft im ersten Lebensjahr und in der Pubertät zu beobachten.
Symptome: akut auftretender starker Hodenschmerz mit Schwellung und Rötung der betroffenen Seite. Dazu kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen.
Es droht das Absterben des Gewebes durch das (Ab-)Drehen und die dadurch bedingte Minderversorgung der Organstrukturen.
Sofort Klinik oder Arzt aufsuchen!
Durchfall und Erbrechen:
Ursachen: meistens durch krankmachende Erreger – am häufigsten Viren, seltener Bakterien bzw. Salmonellen bedingt.
Symptome: Häufige Stuhlfrequenz mit mehr oder weniger veränderter Stuhlkonsistenz (dünn bis wässrig).
Maßnahmen: Ersatz der verlorenen Flüssigkeit! Reichlich Tee und Wasser zuführen, häufig kleinere Mengen anbieten – insbesondere bei Erbrechen (da man sonst wegen des ohnehin empfindlichen Magens erneut Erbrechen auslöst). Ggf. Gabe elektrolythaltiger Lösungen für Säuglinge (bekommt man in der Apotheke - sollte man aber eigentlich nur nach Rücksprache bzw. Vorstellung beim (Kinder-)Arzt verabreichen). Ggf. Medikamente gegen Erbrechen z.B. in Form entsprechender Zäpfchen.
Säuglingstoxikose/Austrocknung (Exsikkose):
Symptome: "Austrocknung" bei i.d.R. deutlichem Gewichtsverlust, der mit Abgeschlagenheit bis hin zu Lethargie einhergeht. Neben der Apathie fällt oftmals die trockene Haut und Schleimhäute auf, daneben die geringe Urinausscheidung. Die Haut ist häufig graublass gefärbt. Es kann - je nach Schweregrad - zu einer Bewusstseinstrübung bis hin zum Schock kommen.
Sofort Klinik oder Arzt aufsuchen!
Verschlucken (Ingestion) von Fremdkörpern:
Dabei handelt es sich um Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt. Für die Behandlung ist wichtig, was geschluckt wurde und wo der Gegenstand sich aktuell befindet! Manchen Gegenstände sind scharfkantig und können die Wand des Magen-Darm-Traktes verletzten, andere sind eher "ungefährlich" und werden nach dem Verdauungsprozess der Nahrung wieder mit dem Stuhlgang ausgeschieden.
Symptome/Maßnahmen: Würgereiz, Speichelfluss, Schluckbeschwerden. Achtung: bei Hustenreiz und vor allem bei Atembehinderung auch an eine Aspiration/Inhalation denken (s. dort!) und daher sofort den Rettungsdienst verständigen bzw. sofort Klinik oder Arzt aufsuchen!
Liegt bzw. hängt der Fremdkörper in der Speiseröhre? Dann ist oftmals die Entfernung mittels Speiseröhrenspiegelung angezeigt.
Befindet sich der Fremdkörper im Magen? Dann ist eine normale Darmpassage zu erwarten, sofern der Fremdkörper nicht zu groß oder spitz ist. Bei Knopfbatterien und fehlender Lageveränderung, sollte eine Entfernung mittels Magenspiegelung erfolgen.
Hinweis: Auch wenn die aufgeführten Handlungsanweisungen nach bestem Wissen erstellt wurden,gibt es jedoch keine Garantie für Richtigkeit und Vollständigkeit. Oftmals ist es bei medizinischen Notfällen viel besser, wenn ein anwesender Laie Hilfe leistet, als wenn gar nichts passiert. Im Zweifelsfall und bei entsprechender drohender gesundheitlicher Gefahr bzw. körperlichen Schädigungen, sollte man sich nicht scheuen - eventuell auch zeitnah - den Rettungsdienst bzw. einen Arzt oder eine Klinik zur Unterstützung hinzuzuziehen.
Nur solche speziell ausgebildeten Fachleute sind im Einzelfall in der Lage, die Schwere der Erkrankung bzw. Gefährdung richtig einzuschätzen, danach zu handeln und haben neben den Kenntnissen und Fertigkeiten auch die notwendigen medikamentösen und/oder apparativen/technischen Hilfsmittel, um entsprechende Behandlungen vorzunehmen.
| < Zurück | Weiter > |
|---|


