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Lasst Kinder wieder Kinder sein (Oder: die Rückkehr zur Intuition)

Nach den zwei äußerst erfolgreichen "Tyrannen-Büchern" legt Michael Winterhoff anno 2011 sein drittes Werk vor. Unter dem Titel "Lasst Kinder wieder Kinder sein (Oder: die Rückkehr zur Intuition)" befasst sich der Autor dieses Mal schwerpunktmäßig mit der Entwicklung der heutigen Gesellschaft, in der eine allgegenwärtige Verunsicherung - bedingt durch die ständigen Negativschlagzeilen in den Medien - in der Erwachsenenwelt zu spüren ist.

Diese unsichere Grundstimmung macht natürlich auch vor dem Kontakt und den Beziehungen zu (unseren) Kindern nicht halt. Der erfahrene Kinder- und Jugendpsychiater Winterhoff, der schon langjährig in eigener Praxis tätig ist und sich mit den zunehmenden psychischen Auffälligkeiten der heutigen Kinder und Jugendlichen tagtäglich auseinandersetzen muss, wirft jetzt einen genaueren Blick auf die Erwachsenen in unserer aktuellen Zeit.

Die fehlende innere Ruhe der stets im "Hamsterrad" ackernden "Leistungserbringer" mit ihrer mangelnden Fähigkeit zu Innehalten und Achtsamkeit, übertragen diese bestehende "ständige Anspruchshaltung" auch auf ihre Kinder.

Auf gut 200 Seiten lässt sich der Experte über die Folgen der "permanenten Erwachsenenkrise" auf die davon betroffenen Kinder aus, die oftmals nicht mehr die so dringend von ihnen für eine normale Entwicklung benötigten Orientierungsfiguren in ihren erwachsenen Bezugspersonen finden. Ein starkes Gegenüber, welches dem heranreifenden Menschen und seinem aufblühenden Charakter ein Vorbild, einen Widerstand und eine Leitstruktur bietet, an der man sich orientieren, an der man lernen und sich messen kann.

Laut Winterhoff fehlt es vielen Kindern und Jugendlichen an einer angemessenen Entwicklung im sozialen und emotionalen Bereich. Neben nicht ausreichenden Fähigkeiten bzgl. Aspekten wie Lesen und Rechnen fehlen Tugenden wie Pünktlichkeit und Eigenschaften wie Empathie, die zum Beispiel in einer Ausbildung ein erfolgreiches Vorwärtskommen fast unmöglich machen.

Der Autor bemerkt mit Sorge den zunehmenden Verlust der Intuition bei den Eltern. Was beim Neugeborenen zum Beispiel in Bezug auf das Schreien des hungrigen Babies normal ist, geht mit dem zunehmenden Heranwachsen der Kinder verloren und die offenbar verunsicherten Eltern verlassen sich immer weniger auf ihr Bauchgefühl.

Ein weiterer genannter Aspekt ist die ungefilterte Weitergabe der latenten Ängste Erwachsener an Kinder, die mit deren Verarbeitung völlig überfordert sind. Diese Entwicklung ist insofern nachvollziehbar, als den Erwachsenen, die den ihnen "anvertrauten" Kindern Stabilität und Sicherheit vermitteln sollen, eigene Elemente wegbrechen, die ihnen selber eben diese Gefühle geben.

Michael Winterhoff erklärt uns die Zusammenhänge von Katastrophen und der Reaktion unserer Psyche und zeigt die Folgen des "Lebens im Hamsterrad" der Erwachsenen für deren Kinder auf. Er versucht schließlich, mögliche Lösungen und Auswege aufzuzeigen. So ist das Problem die offensichtliche Verschmelzung der Erwachsenen- mit der Kinderwelt. Mit einer straffen Terminierung nehmen wir Einfluss auf den Tagesablauf der Kinder und lassen sie so teilhaben an unserem eigenen "Hamsterrad-Konzept".

Das Fazit präsentiert der Kinder- und Jugendpsychiater schon im Titel: Lasst Kinder wieder Kinder sein. Wenn wir uns auf unsere Belange konzentrieren und für uns zur Ruhe finden, können Kinder diese positive Stimmung annehmen, genauso wie sie jetzt (leider) noch die Unruhe und das "Katastrophengefühl" der Erwachsenen aufnehmen und entsprechend reagieren.

 
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