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Wenn essen krank macht: Nahrungsmittelallergie

In Reformhäusern, einigen Supermärkten und in Bioläden finden Verbraucher viele Produkte mit der Aufschrift "laktosefrei" und "glutenfrei". Angeboten werden zum Beispiel Milch, Joghurt und Schokolade, die keine Laktose (Milchzucker) enthalten. Erhältlich sind auch Mehl, Nudeln und Brote, die ohne Gluten (Klebereiweiß) auskommen.

"Als gesunder Mensch muss man solche Produkte nicht kaufen", sagt Thomas Ebel, Arzt im AOK-Bundesverband. Für Menschen, die unter einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit leiden, sind solche Lebensmittel jedoch eine willkommene Ergänzung des Speiseplans.

Wenn bei bestimmten Speisen die Mundschleimhaut anschwillt und der Hals kribbelt oder kratzt, liegt der Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie nahe. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leiden fünf bis sieben Prozent der Bundesbürger darunter. Anzeichen können auch Juckreiz, Durchfall, Blähungen, Quaddeln, Hautekzeme, Husten und Atemnot sein. Bei einem Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie wird der Hausarzt den Patienten an einen Allergologen überweisen. "Denn die Suche nach den Ursachen erfordert viel Erfahrung", sagt Ebel.

 

Eine Allergie ist eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf bestimmte Stoffe aus der Umwelt. Auslöser für Nahrungsmittelallergien sind meist Eiweißbestandteile (Proteine) in Nahrungsmitteln. Bei Säuglingen stehen Proteine in Kuhmilch, Hühnerei und Soja an erster Stelle. Bei Kindern kommen oft noch Fisch, Nüsse und Getreide hinzu. "Bis zum Schulalter verschwinden die Überreaktionen jedoch meist wieder", sagt Ebel. Erwachsene reagieren am häufigsten auf Obst, Gemüse, Nüsse, Gewürze, Fisch, Meeresfrüchte, Hühnerei und Milch.

Verwechslungen nicht selten

Allergien gegen Nahrungsmittel werden häufig mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie der Laktose- oder der Fruktoseintoleranz verwechselt. "Im Unterschied zu einer Allergie ist bei einer Unverträglichkeit aber nicht das Immunsystem beteiligt", erläutert AOK-Mediziner Ebel. Auch Pseudoallergien können ähnliche Beschwerden wie klassische Allergien erzeugen, etwa Hautreaktionen oder Magen-Darm-Probleme. An diesen Reaktionen ist ebenfalls nicht das Immunsystem beteiligt. Die Abgrenzung ist häufig schwierig. "Für eine effektive Therapie ist allerdings eine seriöse Diagnose wichtig", sagt Ebel. Sonst besteht die Gefahr, dass Patienten vorschnell auf strikte Diäten gesetzt werden. Diätstress und Mangelernährung können dann die Folge sein.

Viele Allergiker leiden unter einer sogenannten Kreuzallergie. So besteht bei etwa 80 Prozent der Birkenpollen-Allergiker zugleich eine Allergie gegen Äpfel und Haselnüsse. Wer gegen Gras- und Getreidepollen allergisch ist, verträgt oft auch kein Getreide, keine Getreideprodukte, Tomaten und Hülsenfrüchte wie Erdnüsse und Soja. Das liegt daran, dass Pollen-Allergene bestimmten Nahrungsmittel-Allergenen ähneln.

Ernährungstagebuch führen

"Wer eine Nahrungsmittelallergie oder Unverträglichkeit vermutet, sollte ein Ernährungstagebuch führen", empfiehlt Ebel. Darin sollten Betroffene festhalten, was sie wann gegessen haben und wann welche Beschwerden auftraten. Ein solches Tagebuch kann dem Arzt helfen, die Diagnose zu stellen. Für die Diagnose führt der Mediziner zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Neben der Krankengeschichte lässt er sich darin erläutern, wann, wo und wie der Patient die Symptome erstmals und im weiteren Verlauf beobachtet hat. Häufig führt der Arzt einen Hauttest durch, bei dem dem Körper über kleine Einstiche in der Haut Allergene zugeführt werden. Ob das Immunsystem ungewöhnlich reagiert, kann er an Rötungen und Schwellungen erkennen.

Üblich sind auch Bluttests. Damit kann man sogenannte IgE-Antikörper nachweisen, die sich bei einer Immunreaktion im Blut bilden. Wenn das Immunsystem Antikörper produziert, heißt das allerdings nicht, dass Symptome auftreten. Durch einen Bluttest erfährt man also noch nicht, welche Lebensmittel die Symptome auslösen. Andererseits werden Bluttests auch angeboten, um Unverträglichkeiten gegen Lebensmittel zu bestimmen. Dafür eignen sie sich nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung aber nicht, da die in den Tests nachgewiesene IgG-Antikörper nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine krankmachenden Vorgänge anzeigen.

Liefern weder der Haut- noch der Bluttest sichere Anhaltspunkte, kann noch der Provokationstest Aufschluss über die Auslöser der Allergie geben. Dabei bekommt der Patient eine einfache Nahrung, damit die Symptome verschwinden. Dann werden nach und nach weitere Nahrungsbestandteile hinzugefügt, bis die Beschwerden wieder auftreten – und das Allergen identifiziert ist. Ist das Allergen bekannt, besteht die beste Therapie darin, Nahrungsmittel oder Inhaltsstoffe zu meiden, die das Allergen enthalten. Das ist nicht einfach, da beispielsweise Hühnerei-Allergiker auf Eier in jeder Form verzichten sollten. Da Eier in vielen Fertigprodukten enthalten sind, beispielsweise als Bindemittel in Teig- und Backwaren, Panaden, Mehl- und Kartoffelklößen ist es wichtig, beim Einkaufen die Zutatenlisten der Produkte zu studieren. Ei-Allergene können sich hinter Begriffen wie "Vollei", "Eiklar", "Eigelb", aber auch hinter Wörtern mit der Vorsilbe "Ovo" verbergen.

Vorsicht bei Fertigprodukten

Wer gegen Milcheiweiß allergisch ist, muss ebenfalls nicht nur laktosehaltige Milch und Milchprodukte, sondern viele Fertigprodukte meiden. So ist Milch etwa als Bindemittel in Fleischerzeugnissen, Feinkostsalaten, Kuchen, Brot und Gebäck enthalten. Stattdessen können Milcheiweiß-Allergiker Ziegen- und Schafskäse, Soja und laktosefreie Produkte essen. Um Kalzium zu sich zu nehmen, empfiehlt es sich, kalziumreiches Mineralwasser zu trinken. Wichtig ist es, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten. Wenn bestimmte Nahrungsmittel einfach weggelassen werden, besteht die Gefahr einer Mangelernährung. "Nehmen Sie eine Ernährungsberatung in Anspruch", empfiehlt Ebel. So können sich Versicherte von Fachleuten der AOK beraten lassen. Auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. vermittelt Ernährungsberater, die sich auf Nahrungsmittelallergien spezialisiert haben. Einige Allergene in Lebensmitteln werden durch Erhitzen, Zerkleinern oder Säuern zerstört. Das ist besonders bei Obst und einigen Gemüsesorten der Fall. "Wer gegen Äpfel allergisch ist, sollte daher auf frische Äpfel verzichten und stattdessen lieber Apfelkompott essen", sagt Ebel.

Quelle: ams

 
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