E-Mail

Präsenz und Konsequenz: So gelingt Erziehung am besten

 

Der 13-jährige Sohn soll pro Woche höchstens zehn Stunden vor dem PC und Fernseher sitzen, die 14-jährige Tochter um 22 Uhr zu Hause sein: Regeln sind für das Zusammenleben in der Familie wichtig.

"Sie geben Kindern Sicherheit", sagt Diplom-Psychologe Josef Zimmermann. Der Leiter der Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Köln empfiehlt Eltern, mit größeren Kindern und Jugendlichen gemeinsam Vereinbarungen zu treffen.

Eltern sollten mit ihren Kindern nur Regeln vereinbaren, von denen sie überzeugt sind und die sie durchsetzen können. "Achten Sie darauf, dass Ihr Nachwuchs die Vereinbarungen auch einhält", sagt Zimmermann. Wichtig ist dabei in erster Linie Konsequenz. Welche Regeln sie aufstellen, sollten Väter und Mütter von der Entwicklung und vom Charakter ihres Kindes abhängig machen: Bringt ihr Nachwuchs beispielsweise gute Noten nach Hause oder hat viele soziale Kontakte, können sie großzügiger sein als bei einem Kind, das nur virtuelle Freunde hat oder nichts für die Schule tut. Bei einem impulsiven Teenager, der seine Grenzen austestet, müssen sie ebenfalls anders auf die Einhaltung der Regeln pochen als bei einem schüchternen, verständnisvollen Kind.

Medienkonsum begrenzen

Zimmermann empfiehlt Eltern, je nach Alter der Kinder festzulegen, wie lange sie pro Woche Medien nutzen dürfen. Regeln sind auch beim Umgang mit Suchtmitteln wichtig: Drogen sollten generell tabu sein, Alkohol bis zum Alter von 16 Jahren ebenso. Sinnvoll kann es zudem sein, die Wohnung oder das Haus zur rauchfreien Zone zu erklären. "Dabei sollten Eltern selbst mit gutem Beispiel vorangehen", sagt der Psychologe.

Doch was können Eltern tun, wenn ihre halbwüchsigen Kinder gegen Regeln verstoßen - wenn der Sohn beispielsweise anders als vereinbart spätabends noch im Internet surft? "Erinnern Sie Ihren Nachwuchs in einem solchen Fall an die gemeinsam getroffene Vereinbarung. Bleiben Sie so lange im Zimmer, bis er den Computer heruntergefahren hat", rät Zimmermann.

Auf Schimpfen, Brüllen oder körperliche Reaktionen sollten Eltern hingegen verzichten. Permanente Regelverstöße deuten laut Zimmermann auf ein Autoritätsproblem hin: Dann sollten Väter und Mütter den PC abklemmen und mit ihrem Kind neue Regeln besprechen. "Machen Sie sich bewusst, dass Erziehung Arbeit bedeutet und dass Ihr Kind Sie dafür nicht unbedingt liebt und auch nicht lieben muss", sagt der Leiter der Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Köln.

Regeln konsequent durchsetzen

Das konsequente Durchsetzen von Regeln bedeutet keine Strafe, sondern dient dem Schutz des Kindes. "Wenn Eltern gar keine Grenzen setzen, vernachlässigen sie ihr Kind", meint Zimmermann. Von psychischer und körperlicher Gewalt als Mittel der Erziehung hält der erfahrene Psychologe nichts. „Wer sein Kind prügelt, demütigt es, macht ihm Angst oder treibt es in den Widerstand, bewirkt aber keine Veränderung seines Verhaltens. Respekt können sich Eltern nur durch Präsenz, Liebe und Konsequenz verschaffen“, weiß Zimmermann.

Bei Bedarf neue Vereinbarungen treffen

Wenn es erforderlich ist, können Eltern neue Regeln festlegen. Finden sie beispielsweise heraus, dass der Teenager die halbe Nacht telefoniert, weil er Liebeskummer hat, können sie mit ihm vereinbaren, dass er ihnen abends sein Handy übergibt. Sobald er seinen Frust verdaut hat, ist das Abgeben des Handys nicht mehr notwendig.

Problematisch kann es sein, wenn Eltern ihrem Kind zu früh zu viele Entscheidungen überlassen. Wie im Fall einer fast 14-Jährigen, deren Eltern ihrer Tochter viele Freiräume ließen, die sie sich in ihrer eigenen Jugend gewünscht hätten. Die Folge: Sie geriet in eine problematische Clique, blieb bis ein Uhr nachts in Discos und Kneipen, kam oft alkoholisiert nach Hause und hatte erste sexuelle Kontakte. In der Schule rutschte sie ab.

Dies alarmierte ihre Eltern. Plötzlich wollten sie wissen, wo sie abends hinging und verboten ihr, um 22 Uhr noch aus dem Haus zu gehen. Darauf reagierte das Mädchen heftig, wurde wütend und kündigte ihnen ihre Liebe auf. Lange Zeit musste immer ein Elternteil zu Hause sein, um darauf zu achten, dass die Tochter spätabends nicht mehr ausging. Es kostete die Eltern viel Zeit und Nerven, bis sie ihre Tochter davon überzeugen konnten, dass es besser war, sich nicht selbst in gefährliche Situationen zu bringen. "Der Einsatz hat sich aber gelohnt", sagt Zimmermann. "Wichtig ist es, Regeln immer wieder zu prüfen und anzupassen. Es geht darum zu schauen, was für das Kind in der jeweiligen Situation sinnvoll ist."

Quelle: AOK

 
auch lesenswert:

Kommentare  

 
0 #1 Güngör 2012-03-18 17:49
Eine gute Beziehung zu dem Kind in der Pubertät ist die große Herausforderung für Eltern.
Ohne dem Selbstwertgefüh l des eigenen Kindes zu schädigen, Regeln und Grenzen aufsetzen, die das Kind versteht.

Vereinbarung beim Konsum von Massenmedien und anderen gesellschaftlic hen Dingen.

Die Pubertät ist eine schwere Zeit.
Auch ich habe mir meine Gedanken dazu gemacht.
Einfach in meinem Blog nachschauen.


Vielen Dank für diesen guten Artikel.

Liebe Grüße,

Güngör
Zitieren
 
Joomla templates by kzm