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Einlagerung von Nabelschnurblut: geniale Vorsorge oder gemeine Abzocke?

Naturgemäß wollen Eltern nur das Beste für ihr Kind. Bei der Frage, ob sie nach der Geburt Stammzellen aus der Nabelschnur des Neugeborenen entnehmen und einlagern lassen sollten, fällt vielen die Entscheidung jedoch schwer.

Welches Vorgehen ist wirklich das Beste für das Kind und macht es überhaupt Sinn, Nabelschnurblut einzulagern?

Hoffnungsträger Stammzellen

Das Nabelschnurblut von Neugeborenen enthält junge Stammzellen, die im Vergleich zu erwachsenen Stammzellen aus Knochenmark für medizinische Therapieverfahren besser geeignet sind. Während verschiedene Krankheiten schon heute erfolgreich mit Stammzellen bekämpft werden können, forschen Wissenschaftler zuversichtlich an weiteren Einsatzmöglichkeiten.

Viele private Nabelschnur-Blutbanken greifen diese Hoffnung auf. Mit dem Argument einer „genialen Vorsorge“ für ihr Kind versucht man Eltern von einer Einlagerung des Nabelschnurblutes zu überzeugen. Die Anbieter werben unter anderem damit, dass körpereigene Stammzellen eines Neugeborenen bei einer möglichen Therapie leichter vom Körper angenommen werden und das Risiko einer Krankheitsübertragung geringer ist. Die Kosten dieser speziellen Vorsorge liegen derzeit bei rund 2.000 €.

Gespendete Stammzellen helfen Leukämie-Kranken


Krankheiten wie Leukämie können bereits mithilfe von Stammzellen geheilt werden. Körpereigene Stammzellen kommen dabei allerdings nicht zum Einsatz, da man davon ausgehen muss, dass diese Zellen bereits die fehlerhaften Erbinformationen der Krankheit enthalten. Eltern sollten außerdem wissen, dass die aus der Nabelschnur gewonnene Menge an Stammzellen für eine Behandlung in der Regel nicht ausreicht und erkrankte Personen oft auf eine zusätzliche Stammzell-Spende angewiesen sind.

Wiederspricht der Wunsch nach einer „sanften Geburt“ einer Nabelschnurblut-Entnahme?


Fachleute und Hebammen sind sich in diesem Punkt nicht ganz einig. Fakt ist jedoch, dass die Zeit unmittelbar nach der Geburt eine für das Bonding (die Bindung von Mutter und Kind) wichtige Phase ist. Die Blutentnahme aus der Nabelschnur erfolgt in der Regel zwar störungs- und schmerzfrei, allerdings muss das Neugeborene sofort abgenabelt werden. Ein Auspulsieren der Nabelschnur, was viele Hebammen im Rahmen einer sanften Geburt befürworten, ist bei einer Blutentnahme so ausgeschlossen.

Private Blutbanken gegen öffentliche Institutionen


Stimmen Sie einer Blutentnahme zu, müssen Sie sich entscheiden: Macht eine Einlagerung bei einem profitorientierten Privatunternehmen Sinn oder ist eine Spende an eine öffentliche Forschungseinrichtung die bessere Wahl? Private Nabelschnur-Blutbanken bieten ihren kostenpflichtigen Service in nahezu jeder Geburtsklinik an, während öffentliche Institutionen dies aufgrund von Geldmangel noch lange nicht schaffen. Eine Einlagerung des Nabelschnurblutes bei einem privaten Anbieter garantiert Ihnen das ausschließliche Nutzungsrecht. Bei einer für Sie kostenlosen Spende an ein wissenschaftliches Institut geben Sie dieses Recht zwar ab, Sie helfen vielleicht jedoch anderen Patienten. Falls Sie die gespendeten Stammzellen krankheitsbedingt selbst benötigen und diese noch nicht eingesetzt wurden, können Sie die Nutzung beantragen.

Eltern müssen abwägen: teure „Vielleicht-Vorsorge“ gegen Chancen einer Stammzellen-Spende


Generell kommen körpereigene Stammzellen bislang nur sehr selten zum Einsatz. Zudem gibt es alternativ zum Nabelschnurblut die Möglichkeit, aus Knochenmark Stammzellen zu gewinnen. Auch dieses Verfahren wird weiterentwickelt und bietet Chancen auf neue Therapiemöglichkeiten. Mit einer Stammzellen-Spende unterstützen Sie sowohl andere Menschen, die auf schnelle Hilfe angewiesen sind, wie auch die Erforschung neuer Heilverfahren. Bezüglich der Aufbewahrung eigener Stammzellen fehlen derzeit konkrete Forschungsergebnisse zur Zweckmäßigkeit. Sie sollten das Angebot kommerzieller Nabelschnur-Blutbanken daher kritisch hinterfragen.

 

 
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